12.10.2019 Samstag  DLRG OG Nieder Eschbach geht neue Wege

Inklusion ist in aller Munde. Und doch ist Inklusion noch lange nicht überall Realität. Offen sein für alle – dies ist für uns, bei der DLRG, einer der wichtigsten Grundsätze. 

Als wir eine Anfrage bekamen, einen Erste-Hilfe-Kurs auf Englisch zu halten, haben wir nur kurz überlegt und kamen zu dem Schluss: „Ja, sicher. Das bekommen wir hin.“ Ein Anfänger-Schwimmkurs für Gehörlose und Hörbehinderte haben wir auch schon einmal erfolgreich durchgeführt. 

Als mir nun eine blinde Freundin erzählte, wie schwierig es für sie sei, einen für sie geeigneten Erste-Hilfe-Kurs zu finden, der nicht am anderen Ende des Landes stattfindet und auch noch bezahlbar ist, habe ich gar nicht lange überlegt. Und auch in der Ortsgruppe musste niemand erst drüber nachdenken. Sofort war allen klar: „Klar, das machen wir!“ 

Wie genau wir es am besten angehen, das war dann nicht ganz so schnell klar. Heinz Drisch und ich nahmen uns dieser Aufgabe an und wir stellten uns viele Fragen: Schaffen wir es eine barrierefreie Teilnehmerbroschüre, beispielsweise in Blindenschrift, anzubieten? Wie erkennt ein Blinder einen Notfall? Kann ein Blinder eine Unfallstelle absichern oder einen Verletzten aus dem Auto bergen? Wie zeige ich einem Blinden die Seitenlage? Kann ein Blinder Blut riechen? Fühlt ein Blinder noch ausreichend gut, wenn er Handschuhe trägt?

Wir haben uns schließlich entschlossen ins kalte Wasser zu springen und es einfach auszuprobieren. Wir waren uns sicher, dass wir uns dies gemeinsam mit den Teilnehmern würden erarbeiten können. Sie würden uns schon sagen, was für sie machbar und was schwierig ist. 

Und das Konzept ging auf. Manche unserer Sorgen erwiesen sich als völlig 

unnötig. Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Verbände — das war alles überhaupt kein Problem. Auch bei anderen Notfällen gab es kaum Schwierigkeiten. Kalten Schweiß beim Schock oder einen heißen Kopf bei einem Hitzeschlag kann ein Mensch prima fühlen und auffällige Atemgeräusche hören Blinden mit Sicherheit besser als unsereins. 

Wir stießen natürlich auch auf Hindernisse. Die Absicherung einer Unfallstelle, oder die Bergung einer Verletzten Person aus einem Auto wird unseren Kursteilnehmern in der Realität kaum möglich sein, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Dennoch haben wir es probiert. Auch die Anwendung eines automatisierten externen Defibrillators wird im Ernstfall problematisch — alleine schon, weil es viel zu viele verschiedene Geräte-Typen gibt. Welcher von den drei Knöpfen ist nun welcher? 

Dennoch waren wir uns alle einig, dass dieser Kurs ein voller Erfolg war und hoffentlich die Grundlage bildet für eine weitere gute Zusammenarbeit. Wir danken dem Blinden- und Sehbehinderten-Bund in Hessen e.V. für die gute Zusammenarbeit und diese besondere Erfahrung. Gerne wieder! 

Kategorie(n)
Ausbildung

Von: Annica Maier

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